Aliyev und Pashinyan treffen sich in Abu DhabiCEFR B2
17. Juli 2025
Adaptiert nach Arzu Geybullayeva, Global Voices • CC BY 3.0
Foto von Zulfugar Karimov, Unsplash
Am 10. Juli trafen sich der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev und der armenische Ministerpräsident Nikol Pashinyan in Abu Dhabi zu ihrem ersten direkten bilateralen Kontakt. Das Treffen folgte auf eine im März bekannt gegebene grundsätzliche Einigung über Bedingungen eines Friedensabkommens. Beide Seiten erklärten, bilaterale Verhandlungen seien das effizienteste Format, um offene Fragen des Normalisierungsprozesses zu klären.
Gegenstand der Gespräche waren unter anderem die Grenzdelimitierung, die mögliche Öffnung und Verwaltung des Zangezur‑Korridors sowie die Paraphierung eines Friedensvertrags. Dem Entwurf zufolge würde Armenien weitreichende Zugeständnisse machen, etwa das Abziehen von EU‑Beobachtern an der Grenze und das Zurückziehen von Klagen vor internationalen Gerichten. Aserbaidschan forderte außerdem verfassungsrechtliche Änderungen in Armenien in Verbindung mit der Unabhängigkeitserklärung von 1990; Pashinyan befürwortet ein Volksreferendum für eine neue Verfassung im Jahr 2027.
Der vorgeschlagene Zangezur‑Korridor bleibt ein zentraler Streitpunkt: Armenien lehnt den Namen und eine Übertragung der Kontrolle über die rund 32‑km‑Strecke ab. Am 11. Juli sagte der US‑Botschafter in der Türkei, Tom Barrack, wörtlich, Amerika könne einspringen und die Straße «auf einen Pachtvertrag von hundert Jahren» übernehmen. Die International Crisis Group betont, dass Transportmodalitäten weiterhin zentral für den Friedensprozess sind.
Das Treffen verdeutlicht auch eine Verschiebung im regionalen Gleichgewicht. Moskau agierte diplomatisch zurückhaltend, Analysten sehen einen schwindenden Einfluss Russlands. Innenpolitische Probleme in Armenien, die Inhaftierung des Geschäftsmanns Samvel Karapetyan und öffentliche Streitigkeiten zwischen Baku und Moskau über Ereignisse wie den Flugzeugabsturz am 25. Dezember 2024 verstärken die Unsicherheit. Trotz des Durchbruchs bleiben viele politische und diplomatische Hürden, bevor ein dauerhaftes Abkommen finalisiert werden kann.
Schwierige Wörter
- bilateral — Zwischen zwei Staaten oder Parteienbilateralen
- Grenzdelimitierung — Festlegung der genauen Grenze zwischen Staaten
- Zugeständnis — Ein Nachgeben oder Kompromiss in VerhandlungenZugeständnisse
- Paraphierung — Vorläufige Unterschrift oder Zustimmung zu Dokumenten
- Pachtvertrag — Vertrag, bei dem Eigentum für lange Zeit genutzt wird
- Volksreferendum — Abstimmung aller Bürger über eine wichtige Frage
- Normalisierungsprozess — Schrittweise Rückkehr zu normalen BeziehungenNormalisierungsprozesses
- Inhaftierung — Festnahme und Haft einer Person durch Behörden
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche politischen oder praktischen Hürden könnten ein dauerhaftes Friedensabkommen noch verhindern? Nennen Sie zwei Gründe aus dem Text und erläutern Sie kurz.
- Welche Vor‑ und Nachteile hätte es, wenn ein dritter Staat einen langfristigen Pachtvertrag für eine Straße übernimmt? Beziehen Sie sich auf Hinweise im Artikel.
- Warum könnten bilaterale Verhandlungen laut dem Text als effizientestes Format gelten? Diskutieren Sie, welche Folgen das für andere Vermittler (z. B. Russland oder die EU) haben könnte.
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