Eine von Forschern des University of Arizona College of Medicine–Tucson geleitete Phase‑3‑Studie untersuchte, ob Azithromycin bei vorschulpflichtigen Kindern mit Wheezing, die in der Notaufnahme vorstellig wurden, einen klinischen Nutzen bringt. Insgesamt wurden 840 Kinder im Alter von 18 bis 59 Monaten an acht pädiatrischen Notaufnahmen randomisiert und über fünf Tage entweder mit Azithromycin oder Placebo behandelt.
Als primäres Ergebnis diente das Asthma Flare‑up Diary for Young Children (ADYC), das tägliche Elternangaben zu Atmung, Husten, Appetit, Stimmung und weiteren Symptomen erfasst. Eine Zwischenanalyse zeigte keine Verbesserung der ADYC‑Werte unter Azithromycin, weshalb die Studie vorzeitig beendet wurde. Die Untersuchung ergab außerdem, dass 521 der 840 Kinder mindestens eines der potenziell schädlichen Bakterien Streptococcus pneumoniae, Moraxella catarrhalis oder Haemophilus influenzae trugen. Mehr als 86% der Kinder hatten Atemwegsviren, und 72,5% waren mit einem Erkältungsvirus infiziert.
Leitender Forscher Fernando Martinez erklärte, Kinder mit einer schweren Wheezing‑Episode sollten nicht mit Azithromycin oder irgendeinem Antibiotikum behandelt werden. Die Autoren sehen dadurch Bedenken bezüglich Übergebrauch von Antibiotika, Resistenzentwicklung und möglicher Effekte auf die Immunentwicklung. Die Studie wurde im The New England Journal of Medicine veröffentlicht und auf der Tagung der American Thoracic Society in Orlando vorgestellt; sie erhielt Finanzierung und Unterstützung von mehreren US‑Förderstellen.
- Ort: Notaufnahmen mehrerer Zentren
- Behandlung: Azithromycin versus Placebo
- Ergebnis: keine Verbesserung
Schwierige Wörter
- azithromycin — ein Antibiotikum zur Behandlung bakterieller Infektionen
- placebo — Scheinmedikament ohne Wirkstoff in Studien
- randomisieren — Teilnehmer zufällig Gruppen zuordnen lassenrandomisiert
- zwischenanalyse — vorläufige Auswertung einer Studie vor Studienende
- resistenzentwicklung — wenn Keime gegen Medikamente weniger empfänglich werden
- übergebrauch — häufige oder unnötige Anwendung eines Medikaments
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Folgen kann der Übergebrauch von Antibiotika für die Gesellschaft haben?
- Die Studie fand viele Atemwegsviren bei den Kindern. Was bedeutet das für die Entscheidung, Antibiotika zu geben oder nicht?
- Welche Vor‑ und Nachteile sehen Sie darin, eine Studie vorzeitig zu beenden, wenn eine Zwischenanalyse kein Ergebnis zeigt?
Verwandte Artikel
Studie: Rauchen sendet Signale von der Lunge zum Gehirn
Neue Forschung zeigt einen möglichen Weg, wie Rauchen das Demenzrisiko erhöht: Lungenzellen senden unter Nikotin Partikel, die das Eisen im Gehirn stören können. Forscher prüfen Blockierungen, Anwendungen am Menschen dauern noch Jahre.
Fette in Säuglingsnahrung belasten junge Leber
Eine Tierstudie zeigt, dass bestimmte Fette in einigen Anfangsnahrungen bei neugeborenen Tieren schneller Fett in der Leber einlagern und frühe Anzeichen einer steatotischen Lebererkrankung fördern können. Die Forschung nutzte ein Neugeborenen‑Schweinemodell.
Psychische Erkrankungen erhöhen Risiko für körperliche Verletzungen
Neue Forschung zeigt: Menschen mit psychischen Erkrankungen haben ein deutlich höheres Risiko für selbstverletzende, durch Gewalt verursachte und unabsichtliche Verletzungen. Die Studie basiert auf großen Bevölkerungsdaten und fordert mehr Prävention in der Versorgung.
KI-Gerät unterstützt Autismus-Diagnosen in Missouri
Forscherinnen der University of Missouri testeten das FDA-zugelassene Gerät CanvasDx, das mit KI und Patientendaten Autismus vorhersagen kann. In einer Studie mit 80 Kindern gab es für 52 % klare Ergebnisse und frühere Diagnosen vor Ort.