Eine interdisziplinäre Studie unter Leitung der Politikwissenschaftlerin Susan Ostermann sowie der Bauingenieurinnen María J. Echeverría und Abbie Liel (University of Notre Dame) analysiert, wie Wohnresilienz verbessert werden kann. Die Forschung, gefördert von der National Science Foundation, erscheint im International Journal of Disaster Risk Reduction.
Die Autorinnen betonen, dass Wohnungsresilienz sowohl Governance- als auch technische Aspekte umfasst. "Regelungen unterstützen die Ziele von sicherem, resilientem Wohnen, sie können aber auch im Weg stehen", sagt Ostermann. Als Untersuchungsort diente unter anderem Anchorage, Alaska: Nach dem Erdbeben 2018 (Stärke 7,1) waren mehr als 750 Häuser betroffen. Die Forschenden kommen zum Schluss, dass allein strengere Vorschriften keine sichere Bauweise garantieren, wenn sie nicht befolgt werden.
Für ihre Empfehlungen befragten sie fast 40 Expertinnen und Experten aus Bereichen wie Tragwerks- und Geotechnik, Bauunternehmen und Regulierungsbehörden. Computergestützte Tragwerksanalysen zeigten häufig fehlende Elemente und typische Schwachstellen, etwa Torsionsprobleme bei zweigeschossigen Häusern über großen Garagen.
- Aussteifungswände: Widerstand gegen seitliche Kräfte
- Korrekte Rahmenverbindungen bei Garagenöffnungen
- Halteanker: Verankerung der Wand im Fundament
Die Forschenden empfehlen, Bauordnungen zu vereinfachen und lokale Gefahren zu priorisieren. Sie untersuchen außerdem Wohngebäude in Puerto Rico, acht Jahre nach Hurrikan Maria, sowie in Lahaina auf Maui, das 2023 durch ein Feuer beschädigt wurde. "Wenn Gemeinden, Ingenieurinnen und Ingenieure, Bauende und politische Entscheidungsträger zusammenarbeiten, wird Resilienz aus einer abstrakten Idee zu einem Ort, an dem Menschen sicher wohnen können", sagt Ostermann.
Schwierige Wörter
- wohnresilienz — Fähigkeit von Häusern, Gefahren zu überstehen
- interdisziplinär — Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen an einem Themainterdisziplinäre
- governance — Art der Steuerung und Entscheidungsfindung in Organisationen
- tragwerksanalyse — Untersuchung, wie Baukonstruktionen Lasten tragenTragwerksanalysen
- aussteifungswand — Wand zur Stabilität gegen seitliche KräfteAussteifungswände
- torsionsproblem — Drehbeanspruchung, die Baukörper verdrehen kannTorsionsprobleme
- halteanker — Bauteil, das Wände im Fundament befestigt
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Folgen könnte eine Vereinfachung der Bauordnungen für den Baualltag in Ihrer Region haben?
- Wie können Gemeinden, Ingenieurinnen, Bauende und politische Entscheidungsträger konkret zusammenarbeiten, um Resilienz zu stärken?
- Welche lokalen Gefahren sollten bei Ihren Bauvorschriften prioritär berücksichtigt werden und warum?
Verwandte Artikel
Passive Entwürfe kühlen Räume in Lateinamerika
Eine Studie, die in der November-Ausgabe von Energy and Buildings erscheint, zeigt, dass einfache Designentscheidungen Innenräume in schnell erwärmenden Städten Lateinamerikas kühler machen können. Die Forschenden empfehlen kostengünstige, passive Maßnahmen und ein digitales Werkzeug für lokale Entwürfe.
Mathematiker: Schwärme verhalten sich wie weiche Kristalle
Forscher der NYU beschreiben ein Modell, das Vogelschwärme und Fischschwärme mit weichen Kristallen vergleicht. Experimente mit bewegten Vorrichtungen bestätigten die Vorhersagen, und die Erkenntnisse könnten für Technik und Robotik wichtig sein.
Gefährliche Gletscherseen im Hindu Kush‑Himalaya
Die Hindu Kush‑Himalaya‑Region verliert viel Eis und bildet neue Gletscherseen. Diese Seen können plötzlich ausbrechen und Dörfer, Infrastruktur und Menschenleben zerstören; besonders gefährdet sind Länder wie Indien, Pakistan und China.
Wie Genehmigungen Wohnraum teurer machen
In vielen nordamerikanischen Städten sind Wohnungen schwer bezahlbar. Austin Zwick erklärt, dass kommunale Planungs- und Genehmigungsverfahren Bauentscheidungen und Preise beeinflussen. Als Beispiel nennt er Vancouver und empfiehlt, Verfahren zu straffen.