Die Studie analysiert, wie Menschen lernen, eine robotische Unterschenkelprothese in ihr Körperbild einzubeziehen, und wie sich dieses Körperbild mit Übung verändert. Helen Huang von der North Carolina State University und der University of North Carolina at Chapel Hill beschreibt die Untersuchung als die erste ihrer Art. Für das Experiment wurden neun körperlich gesunde Teilnehmende über vier Tage getestet.
Während der Versuche gingen die Teilnehmenden auf einem Laufband und trugen eine Prothese, die so befestigt war, dass das Knie im rechten Winkel blieb. Ihre Aufgabe war, so schnell wie möglich zu gehen, ohne die Handläufe zu berühren. Nach jeder Sitzung betrachteten die Teilnehmenden Computeranimationen mit verschiedenen biomechanischen Gangmustern und wählten das Muster aus, das ihrer jüngsten Leistung am besten entsprach.
Die objektive Gehleistung verbesserte sich deutlich, doch die Selbsteinschätzung blieb ungenau: anfänglich wurde der Gang als instabiler und steifer eingeschätzt, am Ende als flüssiger und natürlicher als er tatsächlich war. Die Forschenden beobachteten, dass die Teilnehmenden ihren Rumpf besonders beurteilten und das Verhalten der Prothese kaum betonten. Da Nutzer beim Gehen wenig direkte Informationen über das Gerät erhalten und sich meist nicht sehen können, schlagen die Autorinnen und Autoren vor, visuelle oder andere Rückmeldungen in Trainings einzubauen, um Körperbild und Gang besser zu kalibrieren. Sie warnen zudem, dass übermäßiges Selbstvertrauen behandelt werden sollte, weil der Glaube, schon gut zu sein, die Motivation zur Verbesserung verringern kann. Die Arbeit erschien in der Open‑Access‑Zeitschrift PNAS Nexus; die Forschung wurde von den National Institutes of Health und der National Science Foundation unterstützt. Quelle: NC State.
Schwierige Wörter
- körperbild — Vorstellung vom eigenen Körper und dessen Grenzen
- prothese — künstlicher Ersatz für einen fehlenden KörperteilUnterschenkelprothese
- selbsteinschätzung — eigene Bewertung der Leistung oder Fähigkeit
- kalibrieren — Anpassung, damit Wahrnehmung und Messung stimmen
- rumpf — Körperteil zwischen Hals und Beinen
- rückmeldung — Information über Verhalten oder LeistungRückmeldungen
- biomechanisch — Bezieht sich auf Körperbewegung und Kräftebiomechanischen
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Arten von visuellen oder anderen Rückmeldungen könnten beim Training helfen, damit Nutzer ihr Körperbild besser einschätzen?
- Wie könnte die Diskrepanz zwischen objektiver Gehleistung und Selbsteinschätzung die Sicherheit der Nutzerinnen und Nutzer beeinflussen?
- Welche einfachen Trainingsmaßnahmen würden Sie vorschlagen, um übermäßiges Selbstvertrauen zu vermeiden und Motivation zur Verbesserung zu erhalten?
Verwandte Artikel
Oraler Listeria-Impfstoff stärkt Immunabwehr gegen Darmkrebs
Forscher entwickelten aus dem Bakterium Listeria monocytogenes einen abgeschwächten oralen Impfstoff. Im Mausmodell aktivierte er Immunzellen im Darm, hemmte Tumorwachstum, hatte wenige Nebenwirkungen und wirkte besonders gut mit Checkpoint‑Inhibitoren.
KI in Subsahara‑Afrika: Strom und Internet bremsen die Nutzung
In Subsahara‑Afrika verhindern unzuverlässiger Strom und teures, langsames Internet den breiten Einsatz von künstlicher Intelligenz. Es fehlen Stromnetze, stabile Verbindungen und bezahlbare Daten, sodass viele Schulen, Kliniken und Startups eingeschränkt sind.
Afrika baut regionale Impfstoffproduktion aus
Die CPHIA 2025 in Durban diskutierte einen panafrikanischen Plan zur Ausweitung der Impfstoff- und Arzneimittelproduktion. Der Plan, geleitet von Africa CDC, sieht US$3.2 billion Investitionen vor und zielt auf mehr Produktion in Afrika bis 2040.
Väterliches Mikroplastik beeinflusst Stoffwechsel der Nachkommen
Tierversuche zeigen, dass die Exposition von Vätern gegenüber Mikroplastik bei Mäusen Stoffwechselstörungen in der nächsten Generation auslösen kann. Weibliche Nachkommen waren stärker betroffen; Forschende fanden Veränderungen in kleinen RNAs im Sperma.
Citizen Science stärkt Überwachung von Gesundheit und Umwelt
Eine im August in Frontiers in Public Health veröffentlichte Übersichtsarbeit zeigt: Citizen Science kann viele Gesundheits‑ und Wohlbefindensindikatoren der SDGs und der WHO‑Triple‑Billion‑Ziele besser überwachen. Autorinnen und Autoren kommen von IIASA und WHO.