Eine neue Studie erklärt die Entstehung des charakteristischen „wässrigen“ Timbres in den Gesängen der brown-headed cowbirds (Molothrus ater). Der Ton erinnert an einen Wassertropfen: ein kurzer, scharfer Ausbruch gefolgt von einem langsam verklingenden Nachhall. Untersucht wurde die Wirkung bei Kuhstärlingen, die in Utah häufig vorkommen.
Das Team wurde von dem Biologen Franz Goller (University of Utah) geleitet; zu den Coautoren gehören der Neurowissenschaftler Brenton Cooper und der Physiker Gabriel B. Mindlin (University of Buenos Aires). Goller erforscht Vogelstimmen mit Unterstützung der National Institutes of Health (NIH). Die Studie erschien in Current Biology.
Die Forschenden beschreiben einen mechanischen und motorischen Ablauf: Die Syrinx hat zwei getrennte Schallquellen, links und rechts, wobei das linke Stimmlippenpaar deutlich größer ist als das rechte. Laute mit wässerigem Timbre bestehen aus abwechselnden Beiträgen von links und rechts, weil die Vögel sehr schnell zwischen beiden Seiten wechseln. Zudem halten sie kurz die Atmung an, bauen im Inneren der Syrinx hohen Luftdruck auf und lassen diesen Druck plötzlich frei. Dadurch entsteht der spritzartige Ausbruch mit schnellem Anschlag und langsamer Abklingzeit. Etwa 50 Millisekunden später tritt ein zweites, deutlich hörbares Geräusch auf, wenn eine Luftblase implodiert; unterschiedlich große Tropfen erzeugen dabei verschiedene Frequenzen.
In einem Versuch zogen die Forschenden Starling-Junge zusammen mit Kuhstärlingen auf. Die Stare lernten die Kuhstärlingslaute nachzuahmen und setzten dabei dieselbe ungewöhnliche Kombination aus Atmungs- und Ventilsteuerung ein. Cooper betont, dass Vögel vokale Lerner sind und dass die Untersuchung hilft, menschliche Sprache und Sprechprozesse besser zu verstehen. Die Studie zeigt, dass Timbre aus komplexen Wechselwirkungen von Physiologie und motorischer Kontrolle entsteht und dass Kuhstärlinge koordinierte Atmung und zwei Schallquellen einsetzen, wodurch sie als ausgefeilte Klanggestalter fungieren.
Schwierige Wörter
- timbre — Klangfarbe eines Tons, charakteristischer KlangcharakterTimbres
- syrinx — Stimmapparat der Vögel, Ort der Schallerzeugung
- stimmlippenpaar — zwei Gewebefalten, die im Stimmapparat schwingen
- luftdruck — Kraft der Luft auf eine Fläche oder innen
- implodieren — innerlich zusammenfallen und dabei ein Geräusch erzeugenimplodiert
- vokaler Lerner — Organismus, der Laute durch Zuhören und Übung lerntvokale Lerner
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Vorteile könnte die Nutzung von zwei Schallquellen und koordinierter Atmung für die Kommunikation der Vögel haben?
- Inwiefern könnten Erkenntnisse über vokale Lerner bei Vögeln Forschungen zur menschlichen Sprache beeinflussen? Nennen Sie Gründe.
- Welche weiteren Experimente würden Sie vorschlagen, um zu prüfen, ob andere Vogelarten ähnliche Klangmechaniken benutzen?
Verwandte Artikel
Wombats: Kommunikation mit würfelförmigem Kot
Eine Studie unter Leitung von Scott Carver untersucht, ob würfelförmiger Kot Wombats hilft, Informationen über Geruch zu übermitteln. Forschende fanden unterschiedliche chemische Signaturen und beobachteten, dass Wombats fremden Kot länger untersuchen.
Studie: Gehirnzustände unter Anästhesie sind vielfältig
Forscherinnen vergleichen Hirnaktivität unter Propofol‑Narkose mit Schlaf, REM, Koma und Wachheit. Die Ergebnisse zeigen, dass Anästhesie Schlaf und Koma ähneln kann, aber eigene Muster hat und deshalb klinisch überwacht werden sollte.