Die Frage, warum Wahlgewinner oft positiver über die Demokratie denken als Verlierer, lässt sich nicht allein mit kurzfristigen Emotionen beantworten. Ein Forschungsteam um Shane P. Singh von der University of Georgia verfolgte deshalb einen anderen Ansatz: Es trennte gezielt Stimmungsänderungen von tatsächlichen politischen Folgen.
Die Forscher befragten Menschen vor und nach dem Super Bowl 2022 in Regionen um Cincinnati und Los Angeles und wiederholten die Untersuchung rund um das WM‑Finale 2022 zwischen Argentinien und Frankreich. In einem kontrollierten Experiment zeigten sie zudem entweder die „Hakuna Matata“-Szene oder die Szene, in der Mufasa stirbt. In allen Fällen wirkten die Ereignisse wie erwartet auf die Gemütslage, hatten aber kaum Einfluss auf die Einschätzung der Demokratie.
Aus den Ergebnissen schließen die Autorinnen und Autoren, dass die demokratische Legitimität stärker von politischen Ergebnissen und davon abhängt, ob Regierungen die Erwartungen der Öffentlichkeit erfüllen. Sie warnen, dass Stimmungsmache oder Diffamierung von Gegnern die Unterstützung für die Demokratie kaum stärken und die politische Entfremdung eher vertiefen. Singh rät, die „Temperatur“ in der Politik zu senken und sich auf konkrete Politik zu konzentrieren; die Studie erscheint in Political Psychology (Quelle: University of Georgia).
Schwierige Wörter
- legitimität — Akzeptanz und Rechtmäßigkeit eines politischen Systems
- gemütslage — Gefühl oder Stimmung einer Person zu einem Zeitpunkt
- stimmungsmache — Bewusste Beeinflussung der öffentlichen Stimmung durch Worte
- diffamierung — Verbreitung falscher oder schädlicher Behauptungen über jemanden
- entfremdung — Gefühl, dass Politik einen nicht mehr betrifftpolitische Entfremdung
- experiment — Geplante Untersuchung zur Prüfung einer Ursache oder Wirkung
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Folgen hat Stimmungsmache oder Diffamierung laut Artikel für die Unterstützung der Demokratie?
- Welche konkreten Maßnahmen könnten Regierungen ergreifen, damit sie eher die Erwartungen der Öffentlichkeit erfüllen?
- Warum ist es wichtig, Stimmungseffekte von tatsächlichen politischen Folgen zu trennen, wie es die Studie getan hat?
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