Forscher des Polymer and Food Protection Consortium an der Iowa State University untersuchten, wie Reinigungsverfahren beim industriellen Kunststoffrecycling Chemikalien ins Waschwasser freisetzen können. Gegenstand war Polypropylen (Nr. 5), das häufig für Becher von Milchprodukten und andere Lebensmittelverpackungen verwendet wird. Die Studie wurde in Advances in Materials Science and Engineering veröffentlicht.
Getestet wurden physikalische Bewegung, Bewegung mit Natriumhydroxid, Ultraschallvibration sowie Natriumhydroxid kombiniert mit einem üblichen Industriespülmittel an Kunststoffflocken von etwa 1 bis 3 mm Breite. Nach Reinigung durch alleinige physikalische Bewegung oder Bewegung plus Natriumhydroxid waren keine Phthalate oder Bisphenole im Waschwasser nachweisbar. Beim Einsatz von Ultraschall oder bei Natriumhydroxid plus Spülmittel entdeckten die Forschenden jedoch zwei Phthalate: Di(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) und Di-Cyclohexylphthalat (DCHP).
Das Team simulierte außerdem die industrielle Wiederverwendung von Waschwasser. Bei der Methode mit Natriumhydroxid plus Spülmittel und derselben Wassermenge über 15 Zyklen stiegen die DEHP-Werte an: die Konzentration lag nach dem ersten Waschgang beim 10-fachen der Trinkwassergrenze und erreichte nach 15 Zyklen das 25-fache. Zugleich sank die Spülmittelkonzentration im Wasser, was nahelegt, dass Kunststoffflocken Reinigungsmittel aufnahmen.
Phthalate werden in Studien mit Krebsrisiken und hormonellen Störungen in Verbindung gebracht und können Fortpflanzung sowie Entwicklung, besonders bei Kindern, beeinträchtigen. Die Autoren Greg Curtzwiler und Keith Vorst sehen Hinweise auf Wissenslücken beim Umgang mit recycelbarem Kunststoff und Waschwasser. Zur Risikominderung nennen die Forschenden Verfahren wie Schaumsorption (foam fractionation), Elektro-Oxidation und eine biobasierte Behandlung mit dem Nanomaterial "carbon nano-onions"; außerdem könnten geringerer Wasserverbrauch durch bessere Sortierung oder Niedrigwasser-Reinigungsverfahren helfen, müssen aber wirtschaftlich tragbar sein. Die US-Umweltschutzbehörde EPA will die nationale Recyclingquote für Kunststoff bis 2030 auf 50% erhöhen; ein Bericht schätzt derzeit 21% als recycelt ein.
Schwierige Wörter
- freisetzen — in eine Flüssigkeit oder Luft gelangen lassen
- polypropylen — ein häufiger Kunststoff für Lebensmittelverpackungen
- phthalat — chemische Zusätze in Kunststoffen, oft gesundheitsschädlichPhthalate
- natriumhydroxid — starke Lauge, die in Reinigungsprozessen verwendet wird
- ultraschallvibration — hochfrequente Schwingungen zur Reinigung oder Untersuchung
- schaumsorption — Methode, Stoffe mit Schaum aus Flüssigkeit entfernen
- wiederverwendung — mehrmalige Nutzung derselben Ressource oder Flüssigkeit
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Diskussionsfragen
- Welche Vor- und Nachteile sehen Sie bei der Wiederverwendung von Waschwasser im Kunststoffrecycling?
- Welche der im Text genannten Verfahren zur Risikominderung erscheinen Ihnen praktikabel, und warum?
- Wie könnte eine höhere Recyclingquote die Probleme mit Chemikalien im Waschwasser beeinflussen?
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