Eine Pilotstudie mit rund sechzig College‑Studierenden des Architekturstudiums untersuchte die Wirkung einer einzelnen 12‑minütigen Simulation einer Nahtoderfahrung in virtueller Realität (VR). Die Studie wurde in Frontiers in Virtual Reality veröffentlicht und wurde von Zhipeng Lu und seiner Doktorandin Parya Khadan geleitet.
Die Simulation lief in drei Phasen ab: ein Außerkörpergefühl nach einem Unfall, eine Reise durch einen Lichtkanal mit erinnerungsartigen Rückblenden und die Ankunft in einer idyllischen Landschaft mit einer Barriere. Die Teilnehmenden füllten Fragebögen vor und nach der Sitzung aus.
Viele Studierende zeigten nach der Intervention einen starken Rückgang von Stress und Todesangst; einige berichteten von einer bis zu 75%igen Verringerung der Todesangst. Eine Minderheit erlebte jedoch erhöhte Angst oder Stress. Die Forschenden äußerten, dass weitere Studien nötig sind, insbesondere bei kranken oder psychisch belasteten Personen, und dass Vorsicht geboten ist.
Schwierige Wörter
- pilotstudie — kleine erste Untersuchung zu einem Forschungsthema
- simulation — Nachbildung oder Nachahmung einer echten Situation
- nahtoderfahrung — Erlebnis, das Menschen nahe dem Tod beschreiben
- virtuelle Realität — Computer erzeugte, nicht reale Umgebungvirtueller Realität
- außerkörpergefühl — Gefühl, den eigenen Körper von außen zu sehen
- rückblende — Erinnerung, die plötzlich wieder präsent wirdRückblenden
- todesangst — starke Angst vor dem Sterben
- intervention — geplante Maßnahme in einer Studie oder Therapie
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Würdest du eine VR‑Simulation einer Nahtoderfahrung ausprobieren? Warum oder warum nicht?
- Welche Menschen sollten deiner Meinung nach besonders vorsichtig mit solchen Simulationen umgehen, und warum?
- Wie könnten Lehrende VR‑Erfahrungen verwenden, um Stress bei Studierenden zu reduzieren?
Verwandte Artikel
Hinweise auf Weltverständnis in KI‑Sprachmodellen
Forscher untersuchten Sprachmodelle und fanden, dass große KI‑Modelle interne Repräsentationen für alltägliche, unwahrscheinliche, unmögliche und unsinnige Ereignisse bilden. Diese internen Muster entsprechen oft menschlichen Plausibilitätsurteilen.
Neuer Sensorchip soll Deepfakes bereits bei der Aufnahme erkennen
Forschende an der ETH Zurich haben einen Sensorchip entwickelt, der Bilder, Videos und Tonaufnahmen beim Erfassen kryptografisch signiert. So sollen Manipulationen sichtbar werden und falsche Inhalte schwerer verbreitet werden können.
Ungleichheit macht Pandemien schlimmer, warnt Matthew M. Kavanagh
Matthew M. Kavanagh, Direktor des Georgetown University Center for Global Health Policy and Politics, warnt, dass Ungleichheit Pandemien verschlimmert. Er fordert Schuldenaussetzung, gemeinsame Produktion und stärkere Sozialpolitik.