Politische Entscheidungsträger suchen nach Wegen, Schäden durch Jugendalkohol zu reduzieren. Eine neue Studie nutzt hierfür die gestaffelten Änderungen im spanischen Recht: vier Regionen führten in den letzten 20 Jahren strengere Alkoholgesetze ein, darunter Beschränkungen beim Verkauf an Minderjährige, eingeschränkten Zutritt zu Veranstaltungsorten und Regeln für Werbung. Weil die Reformen zu unterschiedlichen Zeiten in Kraft traten, verglich das Forschungsteam das Verhalten jeweils vor und nach den Maßnahmen.
Die Untersuchung, geleitet von Carmen Villa (Universität Zürich) und Manuel Bagues (University of Warwick), stützte sich auf umfangreiche Daten: rund 250.000 Schülerinnen und Schüler zu Trinkgewohnheiten, 180.000 PISA‑Teilnehmende und 600.000 Personen aus dem Zensus 2021. Nach der Anhebung des Mindestalters von 16 auf 18 Jahre sank die Wahrscheinlichkeit, dass 14‑ bis 17‑Jährige im vorangegangenen Monat betrunken waren, um 7% bis 17%, und Rauschtrinken nahm um 14% ab. Diese Effekte zeigten sich sowohl in Selbstberichten als auch in Angaben von Gleichaltrigen.
Die Studie berichtet außerdem über Lerngewinne: PISA‑Werte stiegen um ungefähr 4%, was den Forschenden zufolge etwa zwei zusätzlichen Monaten Schulzeit entspricht. Die psychische Gesundheit verbesserte sich ebenfalls; Jugendliche waren 10% seltener auf Medikamente gegen Angstzustände und Schlaflosigkeit angewiesen. Es gab keine messbaren Veränderungen bei Lernzeit, sozialem Leben, Internetnutzung, Sport oder einem Ersatz von Alkohol durch Cannabis oder Zigaretten, was nahelegt, dass die schulischen Verbesserungen direkt mit neurokognitiven Effekten von Alkohol zusammenhängen.
Die Forschung erscheint im Journal of Health Economics und wird von der Universität Zürich berichtet.
Schwierige Wörter
- gestaffelt — in Stufen oder Phasen vorgenommengestaffelten
- Beschränkung — Regel, die etwas einschränkt oder begrenztBeschränkungen
- Zutritt — Erlaubnis oder Möglichkeit, irgendwohin zu gehen
- Rauschtrinken — starkes Trinken in kurzer Zeit
- Mindestalter — Kleinstes gesetzlich erlaubtes Alter für AktivitätenMindestalters
- Selbstbericht — Aussage einer Person über eigenes VerhaltenSelbstberichten
- neurokognitiv — betreffend Gehirn und geistige Funktionenneurokognitiven
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Was halten Sie von der Strategie, das Mindestalter anzuheben, um Jugendalkohol zu reduzieren? Nennen Sie zwei mögliche Vorteile und zwei mögliche Nachteile.
- Die Studie nennt bessere PISA‑Werte und weniger Medikamentennutzung. Welche Erklärungen außer direkten neurokognitiven Effekten könnten diese Ergebnisse noch haben?
- Welche zusätzlichen Daten oder Folgeuntersuchungen würden Sie vorschlagen, um die Ergebnisse weiter zu prüfen?
Verwandte Artikel
Weniger Nahrungsmittelallergien bei Bauernhofkindern
Neue Studie zeigt: Kinder mit frühem Kontakt zu Bauernhöfen entwickeln seltener Nahrungsmittelallergien. Die Forscher beobachteten Mütter und Säuglinge und fanden Hinweise, dass das Immunsystem früher reift und Muttermilch eine wichtige Rolle spielt.
Jugendproteste in Argentinien: von Online‑Aktionen zur Straße
Seit 2024 haben sich in Argentinien studentische Proteste gegen Sparprogramme, Inflation und Kürzungen bei der Finanzierung öffentlicher Universitäten zu einer breiten Jugendbewegung entwickelt. Die Aktionen verbinden digitale Organisation und große Straßenmärsche.