Digitale Gewalt gegen Journalistinnen und Aktivistinnen in IndonesienCEFR B2
15. Nov. 2025
Adaptiert nach Irma Garnesia, Global Voices • CC BY 3.0
Foto von Alexa Serafin, Unsplash
Digitale Gewalt gegen Journalistinnen und Aktivistinnen in Indonesien ist in den letzten fünf Jahren deutlich sichtbarer geworden. Die Angriffe reichen von koordiniertem Missbrauch durch politische "Buzzers" bis zu gezielten Kampagnen von Fandoms; berufliche Kritik mischt sich häufig mit misogynistischen persönlichen Attacken. Konkrete Fälle betreffen Bunga (Pseudonym), die nach einer Präsentation doxxed und mit bearbeiteten Fotos angegriffen wurde, sowie Kania, Pipit und Nala. Die Online-Publikation Magdalene erlitt im Mai 2020 einen massiven DDoS-Angriff.
Quantitative Daten unterstreichen das Ausmaß: Die PR2Media-Umfrage 2021 unter 1.256 Journalistinnen fand, dass 85,7 Prozent Gewalt erlebten und 70,1 Prozent angaben, diese Gewalt habe online und offline stattgefunden. Der CATAHU-Bericht von Komnas Perempuan 2024 verzeichnete 330.097 Fälle geschlechtsbasierter Gewalt gegen Frauen, ein Anstieg von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. SAFEnet dokumentiert Formen wie Doxing, Outing von Geschlecht oder sexueller Orientierung, Online-Überwachung, Foto-Manipulation, Konto-Hacking, DDoS-Angriffe und anhaltende Belästigung.
Institutionell bleibt der Schutz lückenhaft. Manche Redaktionen raten Mitarbeitenden, soziale Medien zu meiden, obwohl Belästigung plattformübergreifend erfolgt. Medienorganisationen arbeiten mit Gruppen wie AJI und LBH Pers zusammen, doch viele Maßnahmen sind reaktiv statt präventiv. Rechtlich ist die Lage fragmentiert: Das 2022 verabschiedete Sexual Violence Crime Act (TPKS Law) erkennt KBSE an und garantiert das Recht auf Löschung von Spuren, die Umsetzung stockt jedoch. Das Personal Data Protection Law behandelt Körper und Bilder von Frauen nicht als personenbezogene Daten, und das ältere Electronic Information and Transactions Law (ITE) konzentriert sich stärker auf Informationsübertragung als auf Opferschutz.
Plattformen spielen eine zentrale Rolle, übernehmen aber oft keine Verantwortung. SAFEnets Geschäftsführerin Nenden S. Arum sagte, globale Tech-Firmen "waschen sich die Hände" in Bezug auf Sicherheitsarbeit. Nach dem jüngsten Amtsantritt von Donald Trump lockerten Unternehmen wie Meta und Twitter (jetzt X) Moderationsregeln, ein Wandel, der laut Nenden Belästigung ermutigt habe. Siti Aminah Tardi und Yuri Muktia beschrieben, dass Versuche, schädliche Inhalte zu entfernen, langsam und kulturell unsensibel sein können. Organisationen wie KOMPAKS und SAFEnet fordern schnellere, kulturell sensible Moderation und bessere Rechtsdurchsetzung; Überlebende und Aktivistinnen warnen, dass ohne schnelle Reaktion die Opfer schutzlos bleiben.
Schwierige Wörter
- misogynistisch — feindlich oder abwertend gegenüber Frauenmisogynistischen
- doxing — Veröffentlichen privater persönlicher Daten ohne Zustimmung online
- ddos-angriff — Technischer Angriff, der eine Webseite mit Traffic überlastet
- präventiv — auf Vorbeugung und Verhinderung von Problemen gerichtet
- fragmentiert — in mehrere Teile zerteilt oder uneinheitlich
- plattformübergreifend — auf mehr als einer Online-Plattform gleichzeitig
- moderationsregel — Regel, wie Inhalte auf einer Plattform geprüft werdenModerationsregeln
- rechtsdurchsetzung — Durchsetzung von Gesetzen durch Behörden oder Gerichte
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche präventiven Maßnahmen könnten Redaktionen und Plattformen ergreifen, um digitale Gewalt gegen Journalistinnen besser zu verhindern? Nennen Sie Gründe.
- Welche Rolle spielen Plattformen laut dem Text, und welche konkreten Veränderungen fordern Organisationen wie KOMPAKS und SAFEnet? Begründen Sie Ihre Meinung.
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