Die Analyse zeigt, dass mehr als 2 Milliarden Menschen in einigen der ärmsten Gemeinden erheblicher Kühlungsarmut ausgesetzt sind. Hitzewellen werden häufiger und intensiver, und die Weltorganisation für Meteorologie weist auf wärmere Monate wegen El Niño hin. In Teilen Indiens und Pakistans werden bereits Temperaturen über 45 Grad Celsius gemeldet.
Geleitet von Giacomo Falchetta am Euro-Mediterranean Center on Climate Change wertete die Studie Daten von mehr als einer Million Haushalten in 28 Ländern aus. Von nahezu drei Milliarden erfassten Personen leben etwa 1,2 Milliarden in Regionen mit moderater Kühlungsarmut, rund 550 Millionen sind von schwerer Kühlungsentbehrung betroffen und etwa 600 Millionen erleben hohe Entbehrungen in mehreren Dimensionen. Falchetta betont, dass systemische Kühlungsarmut nicht nur das Fehlen von Klimaanlagen meint, sondern Bedingungen, die Menschen daran hindern, thermische Sicherheit zu erreichen, etwa ungeeignete Wohnungen, fehlende Gesundheitsversorgung und mangelnde Informationen.
Regionale Muster unterscheiden sich deutlich: Südasien und Subsahara-Afrika sind am stärksten betroffen. Fast 80 Prozent der Bevölkerung in der Südasien-Stichprobe haben einen Indexwert über 55 von 100. In Subsahara-Afrika verstärkt schwache Schutzinfrastruktur das Risiko; die Studie nennt Äthiopien, die Demokratische Republik Kongo, Ruanda und Malawi als Beispiele für besonders hohe Entbehrungen bei Wohnqualität, Wasser und Sanitär, Energiezugang sowie blauer und grüner Kühlinfrastruktur.
Die Forschenden schätzen, dass etwa 1,5 Milliarden Menschen in Gebieten mit unzureichender Infrastruktur und Gesundheitsbedingungen leben, um mit Hitze umzugehen, und dass in mehreren genannten Ländern mehr als 90 Prozent der Bevölkerung in diese Kategorie fallen. Die Studie warnt, dass Klimaanlagen allein weder ausreichend noch nachhaltig sind, und empfiehlt koordinierte, kostengünstige Maßnahmen in den Bereichen Wohnen, Wasser, Gesundheit, Arbeit und Stadtplanung. Vorgeschlagene Maßnahmen umfassen:
- besseres Wohnungsdesign und kühle Dächer,
- Ausbau und Schutz von Bäumen, Parks sowie blauer und grüner Infrastruktur,
- öffentliche Kühlungsunterkünfte, bessere Wasser- und Sanitärversorgung und effiziente Ventilatoren,
- Hitze-Gesundheitsaktionspläne, Arbeitsschutz mit Ruhepausen und klimafeste Bauvorschriften.
Forscherinnen, Forscher und Aktivistinnen fordern, dass diese Politiken verbindlich und finanziert werden, und sie warnen, dass Anpassungen begrenzt bleiben, falls extreme Hitze weiter zunimmt.
Schwierige Wörter
- kühlungsarmut — Mangel an Möglichkeiten, sich abzukühlen
- systemisch — Auf Probleme, die das ganze System betreffensystemische
- thermisch — Mit Wärme und Temperatur zusammenhängendthermische
- entbehrung — Fehlen von wichtigen Dingen oder VersorgungKühlungsentbehrung, Entbehrungen
- infrastruktur — Grundlegende Einrichtungen und Systeme einer Region
- klimafest — An Gebäude oder Regeln angepasst an Klimaänderungenklimafeste
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche der vorgeschlagenen Maßnahmen erscheint Ihnen am wirkungsvollsten für städtische Gebiete und warum?
- Warum könnten Klimaanlagen allein keine nachhaltige Lösung gegen zunehmende Hitze sein? Nennen Sie Vor- und Nachteile.
- Welche politischen oder finanziellen Hindernisse sehen Sie bei der Umsetzung verbindlicher, finanzierter Maßnahmen gegen Kühlungsarmut?
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