Studentenproteste in Nepal nach Verbot sozialer MedienCEFR B2
14. Okt. 2025
Adaptiert nach Supriya Thapa, Global Voices • CC BY 3.0
Foto von Sushanta Rokka, Unsplash
Anfang September 2025 eskalierten studentische Proteste in Nepal, nachdem die Polizei in Menschenmengen in Kathmandu geschossen hatte; lokale Medien und Menschenrechtsorganisationen berichteten von mindestens 19 Toten. Die Proteste begannen gegen ein Verbot sozialer Medien, entwickelten sich jedoch rasch zu einem breiten Aufschrei gegen jahrzehntelanges politisches Versagen, Korruption und wachsende soziale Ungleichheit.
Die jüngste Wut hat lange historische Wurzeln: Die Rana-Oligarchie ab 1848, die spätere Panchayat-Autokratie und die Massenproteste von 1990 und 2006 prägen das Misstrauen gegenüber der Politik. Der maoistische Aufstand, der 1996 begann, kostete bis in die frühen 2000er-Jahre mehr als 17.000 Menschen das Leben. Nach dem königlichen Massaker 2001 und dem Ende der Monarchie 2008 folgte 2015 eine neue Verfassung mit sieben Provinzen, doch viele Gruppen fühlten sich weiter ausgeschlossen.
Im aktuellen Aufruhr organisierten sich Studenten über verschlüsselte Apps; die Proteste breiteten sich auf Kathmandu, Pokhara und Lalitpur aus. Die Polizei verwendete Tränengas und scharfe Munition, Krankenhäuser behandelten viele Jugendliche. Die Regierung verhängte eine Ausgangssperre, schaltete Mobilfunknetze ab und setzte das Militär ein. Innenminister und das Kabinett reagierten, das Verbot sozialer Medien wurde aufgehoben, doch die Unruhen weiteten sich aus.
Präsident Ram Chandra Poudel ernannte die frühere Oberste Richterin Sushila Karki (73) zur Interims-Premierministerin. Karki, bekannt für Anti-Korruptions-Urteile, erhielt Unterstützung von Jugendvertretern. Ihre Übergangsregierung versprach, die Tötungen zu untersuchen, die Ordnung wiederherzustellen und Neuwahlen im März 2026 abzuhalten. Human Rights Watch und Amnesty International forderten unabhängige Untersuchungen, während das Militär erklärte, es habe zum Schutz der Ordnung gehandelt und wies darauf hin, dass viele Beteiligte Minderjährige waren. Ob die Proteste zu dauerhaften Reformen führen oder alte Zyklen wiederholen, bleibt ungewiss.
Schwierige Wörter
- eskalieren — sich schnell schlimmer oder intensiver entwickelneskalierten
- aufschrei — starke öffentliche Empörung oder laute Kritik
- verfassung — Grundgesetz oder Staatsordnung eines Landes
- verschlüsselt — mit Technik geschützt, so dass Daten privat bleibenverschlüsselte
- ausgangssperre — Regel, die Menschen nachts das Verlassen verbietet
- interims-premierministerin — kurzfristige Regierungschefin bis zur Wahl
- untersuchung — systematische Prüfung oder Aufklärung eines VorfallsUntersuchungen
- neuwahl — erneute Wahl, um neue Regierung zu wählenNeuwahlen
- minderjähriger — Person, die jünger als gesetzliches Alter istMinderjährige
- tränengas — chemisches Mittel zur Kontrolle von Menschenmengen
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Ursachen für die Proteste erscheinen Ihnen im Text am wichtigsten und warum? Nennen Sie Beispiele aus dem Artikel.
- Welche Folgen kann der Einsatz von Militär und Ausgangssperren für die Bevölkerung haben? Diskutieren Sie mögliche Vorteile und Risiken.
- Glauben Sie, dass eine Interims-Regierung und unabhängige Untersuchungen zu dauerhaften Reformen führen können? Begründen Sie Ihre Meinung mit Hinweisen aus dem Text.
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