Pakistan: Menschenrechtsanwälte wegen Posts in sozialen Medien verurteiltCEFR B2
20. Feb. 2026
Adaptiert nach Syed Salman Mehdi, Global Voices • CC BY 3.0
Foto von Hamid Roshaan, Unsplash
Am 24. Januar 2026 verurteilte ein Gericht in Pakistan zwei Menschenrechtsanwälte, Imaan Zainab Mazari‑Hazir und Hadi Ali Chattha, zu jeweils 17 Jahren Haft. Die Anklage stützte sich auf Social‑Media‑Beiträge aus den Jahren 2021 bis 2025, die das Militär wegen erzwungener Verschleppungen und anderer Übergriffe in Balochistan und Khyber Pakhtunkhwa kritisierten.
Die National Cyber Crime Investigation Agency reichte am 12. August 2025 eine Beschwerde ein, und am 30. Oktober 2025 wurden die Anwälte formal nach dem Prevention of Electronic Crimes Act (PECA) angeklagt. Genannt wurden Sections 9, 10, 11 und 26A; Section 10 betrifft Cyberterrorismus, Section 26A kriminalisiert die Verbreitung als schädlich eingestufter Informationen für die nationale Sicherheit. Als Beweismittel nannten die Ankläger Screenshots, erneut geteilte Tweets und Aussagen von vier Zeugen.
Die Verteidigung kritisierte mangelnde Möglichkeit zur Kreuzvernehmung und eingeschränkten Zugang zu Verfahrensakten. Die beiden wurden am 23. Januar 2026 festgenommen, obwohl das Islamabad High Court ihnen Schutzbürgschaft gewährt hatte; sie berichteten von Zwang durch Beamte und boykottierten später die Urteilsverhandlung mit dem Hinweis auf Misshandlungen. Der Richter soll das Urteil in weniger als einer Minute verkündet haben.
Der Fall löste breite Besorgnis über PECA aus, ein Gesetz von 2016, das Kritiker als vage und missbrauchsanfällig bezeichnen. Das Islamabad High Court hatte zuvor verfassungsrechtliche Bedenken zur Anwendung von PECA auf Journalistinnen und Journalisten geäußert und Richtlinien angeordnet, die nicht umgesetzt wurden. Rechtsorganisationen und internationale Stellen verurteilten die Verurteilung und sprachen von Einschüchterung; pakistanische Behörden wiesen die Kritik als innere Angelegenheit zurück.
- Amnesty International
- Human Rights Watch
- UN‑Menschenrechtsbüro
- Europäische Union
Schwierige Wörter
- verurteilen — jemanden offiziell zu einer Strafe bestimmenverurteilte
- anklagen — jemanden förmlich einer Straftat beschuldigenangeklagt
- kreuzvernehmung — Fragen an einen Zeugen durch die Gegenseite
- verfahrensakte — schriftliche Unterlagen zu einem GerichtsverfahrenVerfahrensakten
- schutzbürgschaft — vorläufiger gerichtlicher Schutz vor Strafverfolgung
- misshandlung — körperliche oder seelische Gewalt gegen eine PersonMisshandlungen
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Risiken sehen Sie, wenn ein vages Gesetz wie im Text beschrieben gegen Online‑Kritik angewendet wird?
- Welche Folgen könnte die Verurteilung von Menschenrechtsanwälten für die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten haben?
- Wie wichtig sind Zugang zu Verfahrensakten und die Möglichkeit zur Kreuzvernehmung für einen fairen Prozess? Begründen Sie.
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