Neue Forschung erklärt die Entstehung riesiger Schluchten in der andinen Hochfläche in Peru. Das Plateau erreicht etwa 3,7 Kilometer Höhe. Die Schluchten schneiden 2–3 Kilometer tief in das Plateau hinein; damit sind sie tiefer als der Grand Canyon an seiner tiefsten Stelle. Forschende betonen, dass Fotografien die räumliche Größe oft nicht vollständig wiedergeben.
Bislang gab es zwei Haupterklärungen: abrupte Hebung durch tektonische Ereignisse und lange Perioden starker Niederschläge mit intensiver Flusserosion. Ein internationales Team unter Leitung von Nadine McQuarrie (University of Pittsburgh) mit Mitarbeitenden der University of Glasgow und der Erstautorin Jennie Plasterr prüfte diese Ideen. Die Studie wurde in Science Advances veröffentlicht. Die Forschenden verwendeten Computermodelle, die bekannte tektonische Geschichte mit aktuellen Abschätzungen zu Klima und Niederschlag kombinierten.
Die Simulationen zeigten, dass weder rasche Hebung noch verstärkte Niederschläge allein die komplexe Landschaft erklären. Wichtiger war Flussübernahme: Ein Fluss erodiert einen Grat, lenkt dann das Wasser eines Nachbarflusses um und gewinnt so an Erosionskraft. Tektonische Aktivität spielte eine Rolle, aber nicht in Form schneller Hebung. Vielmehr musste die Hebungsrate deutlich sinken; laut Modellen muss die Hebung um fast eine Größenordnung abnehmen, zum Beispiel von 4 mm pro Jahr auf 0,4 mm pro Jahr.
Die Forschenden folgern, dass die Schluchten entstanden, als die Hebung langsamer wurde und Flussübernahmen tiefe Einschnitte ermöglichten. Die Arbeit wurde von der National Science Foundation und der German Research Foundation gefördert, Quelle: University of Pittsburgh.
Schwierige Wörter
- schlucht — tiefes, schmales Tal mit steilen SeitenSchluchten
- hochfläche — großes, flaches Gebiet in hoher Lage
- plateau — erhöhte, relativ flache Landfläche in Gebirgen
- flussübernahme — Übernahme eines Flusses durch einen anderen FlussFlussübernahmen
- hebung — Anstieg der Erdoberfläche über längere Zeit
- hebungsrate — Geschwindigkeit, mit der die Erdoberfläche steigt
- flusserosion — Abtragung von Gestein und Boden durch Flüsse
- computermodell — Rechenmodell, das Prozesse digital simuliertComputermodelle
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Folgen könnte eine deutlich langsamere Hebung für die Entwicklung von Tälern und Schluchten haben? Begründe deine Meinung.
- Warum geben Fotografien die räumliche Größe großer Landschaften oft nicht vollständig wieder? Nenne zwei mögliche Gründe.
- Welche Vorteile und welche Grenzen haben Computermodelle, wenn Forschende Landschaftsentwicklung untersuchen?
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