Die Studie, geleitet von Jiandie Lin am University of Michigan Life Sciences Institute und veröffentlicht im Journal of Clinical Investigation, beschreibt einen bisher unbekannten Zellcluster in Lebern mit MASH. MASH ist die schwere Form der metabolic dysfunction-associated steatitis liver disease (MASLD), die 5% bis 10% der erwachsenen Bevölkerung in den USA betrifft und das Risiko für Leberzirrhose und Leberkrebs erhöht.
Die Forschenden analysierten die Genexpression einzelner Hepatozyten und bestätigten die drei bekannten funktionellen Zonen der Leber. Zusätzlich trat in MASH-Proben ein neuer Zelltyp auf, der klare Merkmale zellulärer Seneszenz zeigte: Zellen hörten auf, sich zu teilen, blieben aber lebensfähig und konnten Entzündungen sowie Funktionsstörungen verstärken.
Weitere Untersuchungen zeigten eine ungewöhnlich starke Aktivität des Gens Themis in Lebern von Mäusen und Menschen mit MASH. Themis kodiert normalerweise das Protein THEMIS in T‑Zellen und ist in gesunden Hepatozyten nicht aktiv, war in den betroffenen Lebern jedoch eines der am stärksten hochregulierten Gene. In Mausmodellen führte eine gezielte Entfernung von Themis in Hepatozyten zu stärkerem Leberschaden, mehr Seneszenz, ausgeprägteren Entzündungsreaktionen und erhöhter Fibrose. Eine Erhöhung des THEMIS-Spiegels in Hepatozyten senkte die Seneszenz und schützte vor Leberschädigung und MASH.
Erstautorin Xiaoxue Qiu (ehemals Lins Labor, jetzt University of Minnesota) und die Mitarbeitenden sehen die Arbeit als Ausgangspunkt, um weitere Treiber von Leberschäden zu identifizieren und zu prüfen, ob der THEMIS-Signalweg ein therapeutisches Ziel bei MASH sein könnte. Weitere Autorinnen und Autoren stammen von der University of Michigan und der University of Pittsburgh School of Medicine.
- Die Forschung wurde vom National Institutes of Health, der American Heart Association und dem UM Diabetes Research Center unterstützt.
- Alle Tierversuche wurden vom Institutional Animal Care and Use Committee an der University of Michigan genehmigt und folgten den institutionellen Richtlinien.
Schwierige Wörter
- seneszenz — Zustand, in dem Zellen sich nicht mehr teilen
- hepatozyt — Leberzelle, die viele Funktionen der Leber machtHepatozyten
- genexpression — Aktivität, mit der ein Gen abgelesen wird
- hochregulieren — die Aktivität eines Gens deutlich erhöhenhochregulierten
- entzündungsreaktion — Körperliche Reaktion mit Rötung oder SchädigungEntzündungsreaktionen
- fibrose — vermehrte Bindegewebsbildung in einem Organ
- signalweg — Abfolge von Signalen innerhalb von ZellenTHEMIS-Signalweg
- leberzirrhose — fortgeschrittene, dauerhafte Schädigung der Leber
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Welche Chancen und Risiken sehen Sie, wenn man den THEMIS-Signalweg als therapeutisches Ziel untersucht? Nennen Sie Gründe.
- Warum ist es wichtig, spezialisierte Zelltypen in kranken Organen wie der Leber zu identifizieren? Nennen Sie zwei Gründe aus dem Text.
- Wie könnten die Ergebnisse dieser Studie die zukünftige Forschung oder Behandlung von MASH beeinflussen? Begründen Sie Ihre Meinung.
Verwandte Artikel
Gentherapie gegen Sichelzellenanämie: Hoffnung, aber hohe Kosten
Viele Babys in Afrika werden mit Sichelzellenanämie geboren. Uganda führt seit dem 9. Februar ein verpflichtendes Neugeborenen-Screening ein. Neue Gentherapien in reichen Ländern sind teuer und für Afrika kaum erreichbar.
Neue Therapieansätze gegen fibrotische Erkrankungen
Forschende der Yale School of Medicine entdeckten einen Antikörper gegen Epiregulin und einen wichtigen EGFR‑STAT1-Signalweg. Beide Befunde könnten neue Behandlungen für Sklerodermie, graft‑versus‑host‑Krankheit und andere Fibrosen ermöglichen.
Virtuelles Ernährungs‑ und Bewegungsprogramm hilft Lymphom‑Patienten
Erste Ergebnisse der LIFE‑L‑Studie zeigen: Ein virtuelles Programm zu Ernährung und Bewegung kann Patientinnen und Patienten während einer Chemotherapie helfen, länger in der Therapie zu bleiben und weniger Symptome zu haben.