Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass industrialisierte Lebensweisen beeinflussen, wie das Darmmikrobiom Östrogen und andere Hormone reguliert. Die Analyse nutzte drei öffentlich zugängliche Mikrobiom-Datensätze, die zusammen 24 Populationen auf vier Kontinenten abdecken. Zu den Proben gehören unter anderem Jäger und Sammler sowie Pastoralisten, ländliche Landwirtinnen und Landwirte und städtische Bewohnerinnen und Bewohner. Ein Datensatz enthielt zudem Informationen zu gestillten und mit Säuglingsmilchnahrung ernährten Säuglingen.
Die Forschenden untersuchten das Estrobolom, also die Mikroben, die inaktiviertes Östrogen abbauen und teilweise reaktivieren. Sie berichten, dass Mikrobiome in industrialisierten Populationen bis zu siebenmal stärker ausgeschiedenes Östrogen ins Blut zurückführen als in nicht‑industrialisierten Gruppen. Außerdem zeigte sich bei mit Milchnahrung ernährten Säuglingen eine deutlich höhere Rückführungsfähigkeit als bei gestillten Kindern.
Rebecca Brittain und Kolleginnen nennen tägliche Umgebung, Ernährung und Gewohnheiten als mögliche Einflussfaktoren. Richard Bribiescas bezeichnete die Beobachtung als überraschend, weil die Gesamtvielfalt des Darmmikrobioms in industrialisierten Gesellschaften sonst meist niedriger ist. Ein neues Projekt, finanziert durch die Polish National Science Foundation, soll weitere Fragen klären. Die Studie erscheint in Proceedings of the National Academy of Sciences.
Schwierige Wörter
- darmmikrobiom — Bakterien und andere Mikroorganismen im Darm
- estrobolom — Mikroben, die Östrogen im Körper verändern
- mikrobe — kleines Lebewesen, das in Körper lebtMikroben
- östrogen — weibliches Sexualhormon im Blut des Körpers
- regulieren — etwas bewusst steuern oder kontrollierenreguliert
- rückführungsfähigkeit — Fähigkeit, Stoffe zurück ins Blut zu bringen
- industrialisiert — Gesellschaft mit moderner Technik und Wirtschaftindustrialisierten
- stillen — einem Baby mit Muttermilch ernährengestillten
- ernährung — Art von Nahrung und Essgewohnheiten
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Diskussionsfragen
- Wie könnten Ernährung und tägliche Umgebung das Darmmikrobiom Ihrer Meinung nach verändern? Nennen Sie zwei Beispiele.
- Glauben Sie, dass Forscher mehr über das Estrobolom in industrialisierten Gesellschaften herausfinden sollten? Warum oder warum nicht?
- Welche möglichen Folgen könnte eine höhere Rückführung von Östrogen ins Blut für die Gesundheit haben? Nennen Sie eine Vermutung.
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