Forscher an der Rockefeller University beschrieben in Immunity, dass das Gehirn schon wenige Stunden nach einer peripheren Infektion antivirale Programme hochfährt. Das Team um Charles M. Rice arbeitete mit Mausmodellen und injizierte West‑Nile‑Virus (WNV) in die Fußballen. Obwohl das Virus im Gehirn nicht nachweisbar war, fanden die Forschenden aktivierte interferon‑stimulierte Gene (ISGs). Virusassoziierte Moleküle im infizierten Fuß reichten offenbar aus, um die Reaktion im Gehirn auszulösen.
Durch Tests mit verschiedenen PAMPs zeigte sich, dass das Gehirn spezifische transkriptomische Programme je nach Signal aktiviert. Eine Vorbehandlung mit dem Virussimulans poly(I:C) führte zu einer systemischen Typ‑I‑Interferon‑Antwort und verbesserte das Überleben nach anschließender Gehirninfektion. Der Schutz war nicht auf WNV beschränkt, sondern zeigte Wirkung auch gegen das verwandte Powassan‑Virus und gegen Herpes‑simplex‑Virus.
Bioinformatische Analysen legen nahe, dass brain microvascular endothelial cells (BMECs) — die Zellen der Blut‑Hirn‑Schranke — ISGs induzieren und Informationen ins zentrale Nervensystem weiterleiten. Dadurch werden angeborene Immunzellen wie Mikroglia zur Vorbereitung auf eine Infektion angeregt. Die Autorinnen und Autoren bezeichnen die BBB als ein zentrales immunologisches Signalzentrum oder Sensor des Gehirns.
Die Studie ist Grundlagenforschung, könnte aber Hinweise für präventive Ansätze gegen durch Vektoren übertragene Neuroinflammation geben. Als mögliche Strategien nennen die Forschenden ein geeignetes Adjuvans oder eine interferonbasierte Therapie, ähnlich denen, die früher zur Behandlung chronischer Hepatitis‑C eingesetzt wurden. Die Arbeit wurde teilweise vom Stavros Niarchos Foundation Institute for Global Infectious Disease Research at Rockefeller unterstützt.
Schwierige Wörter
- hochfahren — schnell aktivieren oder in Gang setzenhochfährt
- gen — Abschnitt der DNA mit ErbinformationGene
- blut-hirn-schranke — Barriere zwischen Blut und GehirnBlut‑Hirn‑Schranke
- mikroglia — Immunzellen im Gehirn, die fremde Stoffe bekämpfen
- adjuvans — Stoff, der die Impfantwort verstärkt
- transkriptomisch — das Transkriptom betreffend, Genaktivität beschreibendtranskriptomische
- vektor — Organismus, der Krankheitserreger auf andere überträgtVektoren
Tipp: Fahre über markierte Wörter oder tippe darauf, um kurze Definitionen zu sehen – während du liest oder zuhörst.
Diskussionsfragen
- Wie könnten Adjuvans oder interferonbasierte Therapien die Prävention gegen durch Vektoren übertragene Neuroinflammation verändern?
- Welche Chancen und Risiken sehen Sie bei der Auslösung einer systemischen Typ‑I‑Interferon‑Antwort zur Vorbeugung?
- Welche Bedeutung hat die Blut‑Hirn‑Schranke laut Artikel für die Kommunikation zwischen peripheren Infektionen und dem Gehirn?
Verwandte Artikel
UN-Bericht: Werbung für Babymilch schadet Kindern
Ein UN-verbundener Bericht warnt, dass aggressive Werbung für pulverförmige Babymilch die Gesundheit von Kindern in ärmeren Ländern gefährdet. WHO und UNICEF schätzen, dass Stillen viele Todesfälle von Kindern und Müttern verhindern könnte.
Psychische Erkrankungen erhöhen Risiko für körperliche Verletzungen
Neue Forschung zeigt: Menschen mit psychischen Erkrankungen haben ein deutlich höheres Risiko für selbstverletzende, durch Gewalt verursachte und unabsichtliche Verletzungen. Die Studie basiert auf großen Bevölkerungsdaten und fordert mehr Prävention in der Versorgung.
Verborgene Schaltung im Kleinhirn erklärt Lernen aus Erfahrung
Forscher entdeckten eine Schaltung im Kleinhirn, die zeigt, wie Bewegungslernen funktioniert. Kletterfasern schalten kurz die Hemmung ab, sodass Purkinjezellen größere Kalziumsignale und damit Plastizität erzeugen können.